Wir stehen an einem WELTAUFGANG. In diesem Podcast stellen wir die Akteure und Architekten des neuen Anfangs vor.
Manche Menschen beschreiben sich über Substantive. Helena Dreznjak beschreibt sich über Verben. Sie sucht und findet, sie lernt von anderen, sie gestaltet. Aus dieser Haltung heraus erzählt sie in dieser Folge, wie aus einem Bruch in ihrer Biografie eine Frage wurde, die bis heute trägt: Wer will ich eigentlich sein in dieser Welt?
Helena wächst zwischen zwei Welten auf, als Kind von Eltern, die einst als Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland kamen. Das Wort Gast trug die Rückkehr schon in sich, und doch blieb die Familie. Diese frühe Erfahrung vieler Perspektiven, vieler Sprachen und sehr unterschiedlicher Prägungen wird im Gespräch zu einer Art Schlüssel. Sie erlaubt es, das Selbstverständliche als gestaltbar zu sehen, und sie öffnet den Blick dafür, dass es nicht eine Zukunft gibt, sondern viele, und dass wir alle an ihnen mitbauen.
Im Zentrum steht eine Welt der Verbundenheit. Nicht nur zwischen Menschen, sondern zwischen Mensch und Erde. Helena und Thomas tasten sich an die Bewegung heran, die vom Leben von der Natur über das Leben mit der Natur zu einem Leben als Natur führt. Daraus entfaltet sich ein Gespräch über Kreisläufe, über die Jahreszeiten in uns selbst und über den verbreiteten Irrtum, dass der Mensch immer und gleichmäßig funktionieren müsse. Helena spricht über die Intelligenz des Körpers, über das oft überhörte Zusammenspiel von Kopf, Körper und Herz, und darüber, was es bräuchte, damit Kinder früh lernen dürfen, ihre eigenen Signale wahrzunehmen und auszusprechen.
Vom Inneren führt der Bogen ins Konkrete, in Helenas beide Herzensfelder. Das eine ist die Transformation von Schule. Warum verändert sich ein System, das aus Industrialisierung und Verwaltungslogik geboren wurde, so schwer, und warum gelingt Wandel dort, wo Menschen die Grauzonen mutig nutzen und das Flugzeug im Flug umbauen, ohne dass die Passagiere aussteigen müssen. Das andere ist der lokale, regionale Wandel im eigenen Kiez. Mit Futurista in Berlin-Tempelhof zeigt Helena, wie Zukunft im Kleinen beginnt, in Zukunftsdialogen und Arbeitsgruppen, im Kiezladen, beim gemeinsamen Tanzen, vor allem aber im Zuhören als einer fast vergessenen Kompetenz.
Zum Schluss wird es weit. Wenn es viele Helenas gäbe, woran würden sie arbeiten. Die Antwort führt von der Regeneration der Erde über neue Formen des Organisierens und Arbeitens bis zu der Frage, wie wir Geld und Wohlstand anders verteilen könnten, und mündet in einem Plädoyer für Zeitwohlstand. Denn Selbstwirksamkeit im Kleinen, so Helenas Erfahrung, ist das genaue Gegenteil von Ausbrennen. Sie gibt mehr Energie zurück, als sie kostet.
Ein Gespräch über Brüche, die in eine neue Richtung wenden, über die Weisheit der Kreisläufe und darüber, dass der große Wandel nichts anderes ist als sehr viele kleine.
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